„Ich kann einfach nicht abschalten" – diesen Satz hört Dr. Franziska Hahn, Schlafmedizinerin an der Charité Berlin, täglich. Er beschreibt das Kernproblem moderner Schlafstörungen: Nicht das Bett ist das Problem, nicht die Matratze, nicht einmal der Stress selbst. Das Problem ist die Unfähigkeit, den Übergang vom Wachmodus in den Schlafmodus zu vollziehen.
Schlaf ist kein Zustand, in den man einfach hineinfällt. Er ist ein aktiver biologischer Prozess, der vorbereitet werden muss. Das Gehirn braucht, um schlafen zu können, einen fallenden Cortisolspiegel, eine sinkende Körperkerntemperatur und einen ansteigenden Melatoninspiegel. Alle drei Prozesse beginnen mehrere Stunden vor dem eigentlichen Einschlafen – und alle drei werden durch modernes Verhalten systematisch unterbrochen.
„Wir haben in den letzten 30 Jahren die evolutionären Schlafbedingungen vollständig umgekehrt. Abends ist es hell und aktiv, morgens dunkel und träge. Das Gehirn ist damit komplett überfordert."
„Wir haben in den letzten 30 Jahren die evolutionären Schlafbedingungen vollständig umgekehrt", erklärt Dr. Hahn. „Abends ist es hell und aktiv, morgens dunkel und träge. Das Gehirn ist damit komplett überfordert." Ihre wichtigste Empfehlung: nicht das Einschlafen optimieren, sondern den Abend.
Was bedeutet das konkret? Licht ist der mächtigste Zeitgeber des menschlichen Circadianrhythmus. Blaues Licht – das von Bildschirmen, LED-Lampen und Smartphones ausgestrahlt wird – hemmt die Melatoninproduktion effektiv und signifikant. Eine Studie der Harvard Medical School zeigte, dass die Nutzung eines Tablets vor dem Schlafengehen die Einschlafzeit um durchschnittlich 47 Minuten verlängerte – verglichen mit dem Lesen eines gedruckten Buches.