Kaum ein Nährstoff wurde in den letzten 30 Jahren so intensiv erforscht wie Omega-3-Fettsäuren – und kaum einer hat dabei so unterschiedliche Ergebnisse produziert. Einerseits gibt es zahlreiche Studien, die eindrucksvolle Effekte auf Stimmung, Kognition und Gehirngesundheit zeigen. Andererseits sind viele dieser Studien klein, schlecht kontrolliert oder wurden von der Nahrungsergänzungsmittel-Industrie finanziert.
Was wissen wir also wirklich? Zunächst die Grundlagen: Omega-3-Fettsäuren sind ungesättigte Fettsäuren, von denen vor allem EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) als biologisch aktiv gelten. DHA ist ein Baustein der Gehirnzellmembranen und macht etwa 30 Prozent des Fettgehalts des Gehirns aus. Der Körper kann DHA nur begrenzt selbst synthetisieren – er ist auf die Zufuhr durch Nahrung angewiesen.
„DHA ist kein Superfood-Trend. Es ist ein struktureller Bestandteil des Gehirns – so grundlegend wie Calcium für die Knochen."
„DHA ist kein Superfood-Trend. Es ist ein struktureller Bestandteil des Gehirns – so grundlegend wie Calcium für die Knochen", sagt Prof. Dr. Ulrich Warnke, Ernährungsneurologe an der Universität Tübingen. In seiner Forschungsgruppe hat er die Auswirkungen von Omega-3-Mangel auf die synaptische Plastizität untersucht – also die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen zu knüpfen.
Die Ergebnisse zeigen, dass ein Mangel an DHA die neuronale Flexibilität messbar einschränkt. Umgekehrt führte eine ausreichende Versorgung in kontrollierten Experimenten zu verbesserten Lernleistungen und schnellerer Erholung nach Stress. Besonders deutlich waren diese Effekte bei älteren Probanden – ein Hinweis darauf, dass Omega-3 möglicherweise dem altersbedingten Abbau kognitiver Funktionen entgegenwirkt.