Es gibt diesen Moment: Man hat seit Wochen aufgeschoben, und dann – an einem grauen Samstagnachmittag – fängt man doch an. Kisten ausleeren, Schubladen sortieren, Altes wegwerfen. Und gegen Abend, inmitten leerer Regale und vollen Müllsäcken, fühlt man sich seltsam erleichtert. Besser als vor dem Aufräumen. Leichter.
Dieser Effekt ist keine Einbildung. Forscher der Princeton Neuroscience University haben 2011 in einer vielzitierten Studie nachgewiesen, dass visuelle Unordnung die Verarbeitungskapazität des Gehirns reduziert. Jedes sichtbare, unerledigte Objekt erzeugt eine Art kognitive Dauerlast – eine minimale, aber anhaltende Anforderung an die Aufmerksamkeit.
„Unordnung ist kein ästhetisches Problem. Es ist eine neurologische Belastung. Das Gehirn registriert jeden unsortierten Gegenstand als offene Aufgabe."
„Unordnung ist kein ästhetisches Problem. Es ist eine neurologische Belastung. Das Gehirn registriert jeden unsortierten Gegenstand als offene Aufgabe", erklärt Dr. Miriam Kellner, Umweltpsychologin an der TU Berlin. In ihrer Forschung hat sie untersucht, wie verschiedene Raumzustände die kognitive Leistung und das emotionale Befinden beeinflussen.
Das Ergebnis ist eindeutig: In unübersichtlichen Umgebungen schnitten Probanden schlechter bei Konzentrationstests ab, berichteten von höherem Stresslevel und hatten mehr Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen. Ordnung hingegen erzeugte das Gegenteil: ein Gefühl von Kompetenz und Kontrolle, das sich direkt auf die Stimmung auswirkte.