Eine neue Umfrage des Reuters Institute for the Study of Journalism zeigt: 45 Prozent der Deutschen vermeiden aktiv Nachrichten – weil sie sich danach schlechter fühlen. In der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen sind es sogar 59 Prozent. Das ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit. Es ist ein Zeichen von Überwältigung.
Doch woher kommt das Gefühl, die Welt sei ein zunehmend bedrohlicher Ort? Die Datenlage ist paradox: Gemessen an den meisten objektiven Indikatoren – extreme Armut, Kindersterblichkeit, Zugang zu Bildung, Lebenserwartung – lebt die Welt in einer der besten Epochen ihrer Geschichte. Und trotzdem glauben die meisten Menschen das Gegenteil.
„Der Algorithmus optimiert nicht für Wahrheit oder Relevanz. Er optimiert für Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit wird am verlässlichsten durch Angst, Empörung und Bedrohung erzeugt."
Die Erklärung liegt in der Architektur digitaler Medien. „Der Algorithmus optimiert nicht für Wahrheit oder Relevanz. Er optimiert für Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit wird am verlässlichsten durch Angst, Empörung und Bedrohung erzeugt", erklärt Dr. Felix Warnke, Medienwissenschaftler an der Freien Universität Berlin.
Das ist kein Geheimnis. Interne Dokumente, die im Rahmen der Facebook-Leaks 2021 öffentlich wurden, belegen, dass Ingenieure des Unternehmens intern diskutierten, wie stark ihre Algorithmen Empörungsinhalte bevorzugten – und dass entsprechende Änderungen aus wirtschaftlichen Gründen blockiert wurden.