Nachrichten, erklärt

Warum du immer schlechtere Nachrichten siehst – und wer das so will

Das Gefühl, die Welt werde schlimmer, ist weit verbreitet. Aber ist die Welt wirklich schlechter geworden – oder nur die Filter, durch die wir sie wahrnehmen? Wir erklären, wie Algorithmen unser Weltbild formen und was wir dagegen tun können.

Smartphone mit Nachrichten-App in einer Hand

Was wir auf dem Smartphone sehen, ist kein Abbild der Realität – es ist eine kuratierte Version davon. Foto: Unsplash

Eine neue Umfrage des Reuters Institute for the Study of Journalism zeigt: 45 Prozent der Deutschen vermeiden aktiv Nachrichten – weil sie sich danach schlechter fühlen. In der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen sind es sogar 59 Prozent. Das ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit. Es ist ein Zeichen von Überwältigung.

Doch woher kommt das Gefühl, die Welt sei ein zunehmend bedrohlicher Ort? Die Datenlage ist paradox: Gemessen an den meisten objektiven Indikatoren – extreme Armut, Kindersterblichkeit, Zugang zu Bildung, Lebenserwartung – lebt die Welt in einer der besten Epochen ihrer Geschichte. Und trotzdem glauben die meisten Menschen das Gegenteil.

„Der Algorithmus optimiert nicht für Wahrheit oder Relevanz. Er optimiert für Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit wird am verlässlichsten durch Angst, Empörung und Bedrohung erzeugt."

Die Erklärung liegt in der Architektur digitaler Medien. „Der Algorithmus optimiert nicht für Wahrheit oder Relevanz. Er optimiert für Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit wird am verlässlichsten durch Angst, Empörung und Bedrohung erzeugt", erklärt Dr. Felix Warnke, Medienwissenschaftler an der Freien Universität Berlin.

Das ist kein Geheimnis. Interne Dokumente, die im Rahmen der Facebook-Leaks 2021 öffentlich wurden, belegen, dass Ingenieure des Unternehmens intern diskutierten, wie stark ihre Algorithmen Empörungsinhalte bevorzugten – und dass entsprechende Änderungen aus wirtschaftlichen Gründen blockiert wurden.

Wie man bewusst gegensteuert

Die gute Nachricht: Das Wissen um den Mechanismus verändert bereits die Wahrnehmung. Wer versteht, dass sein Nachrichtenfeed ein Spiegel von Interaktionsmustern ist und kein Abbild der Wirklichkeit, beginnt, Meldungen anders zu gewichten.

Es gibt außerdem konkrete Strategien: von der bewussten Auswahl von Nachrichtenquellen über feste Konsumzeiten bis hin zum aktiven Suchen nach konstruktiver Berichterstattung. Was davon wirklich hilft – und was nur Selbstberuhigung ist.

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